Die neue Bescheidenheit

Wo Wachstum herrscht, da wird gebaut. Und deshalb war Wachstum auch immer gut für die Architektur. Doch was passiert nun, da das Wachstum endet? Text: Cornelia Dörries

Was hat es zu bedeuten, wenn auf der Architektur-Biennale in Venedig der Hauptpreis an ein Projekt geht, bei dem Architekten nicht mehr entworfen und geplant, sondern nur noch die Aneignung eines leeren Hochhaus-Rohbaus durch arme Menschen in Venezuela dokumentiert haben? Welches Bild vermittelt Deutschlands Beitrag von der Architektur eines der reichsten Länder der Erde, wenn er unter dem Motto „Reduce, reuse, recylce“ unter anderem ein unansehnliches, grob behauenes und von gestalterischer Ambition äußerlich unberührtes Fabrikgebäude in Krampnitz beim Potsdam als visionäres Wohn- und Atelierhaus präsentiert? Und wie soll man die Entscheidung der Jury des Deutschen Städtebaupreises verstehen, keinen dreidimensionalen Städtebau, sondern ein durch künstliches Gewässer und Grün ersetztes Stadtzentrum des schwer geprüften Staßfurt in Sachsen-Anhalt zu prämieren? 

weiter lesen...